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Anthroposophisch orientierte Heilpädagogik

Wurzeln der heilpädagogischen Arbeit

Im Jahre 1924 wurde von Rudolf Steiner durch sein Vortragswesen die heute als anthroposophische Heilpädagogik genannte heilpädagogische Arbeitsweise und Anschauung angeregt, welche sich als Grundlage des anthroposophischen Menschenbildes bedient. Es findet sich heute ein weitaus breiteres Einsatzfeld für diese Pädagogik, ja für diese Pädagogen als man 1924 ahnte. Diese Heilpädagogen und Pädagoginnen arbeiten in nahezu allen möglichen Sozialeneinsatzfeldern, in denen es um Hilfe für das Kind geht, so z. B. in Schulen und Heimen, in Lebensgemeinschaften, psychiatrischen Kliniken, in Sonderkindergärten, in der ambulanten Frühförderung und Erziehungsberatung, in der sozialtherapeutischen Arbeit mit Erwachsenen und in der Jugendhilfe.

Grundlage verstehender Pädagogik

Krankheit und Fehlbildung, Entwicklungsverzögerung, Retardierungen, und Störungen aller Art, die von dem “Normalen” abweichen, werden als tendenzielle einseitige Entwicklung angesehen, die es gilt in ein harmonisches Gleichgewicht mit dem nicht vollständig ausgebildeten zu bringen. Natürlich gibt es schwerstgradige körperliche Fehlentwicklungen, die sich körperlich nicht ausgleichen lassen und dennoch ist es auch hier Aufgabe, das dem zugrundeliegende seelische Ungleichgewicht zu therapieren. Dieses Prinzip findet seine Wurzel auch im Verständis dessen, dass der Mensch sich in einer Fülle von Polaritäten wieder findet, dessen differenzierten Prozesse und Schichten zu erkennen eine Aufgabestellung der anthroposophischen Therapie darstellt, die eben auch aus diesem anthroposophischen Menschenbild erwächst. In diesem Sinne versteht sich dies als Ergänzendes zur allgemeinen medizinisch-psychotherapeutischen Diagnostik dahingehend, wo durch die Sprache der Phänomene sich dem verstehenden Blick das Wesenhafte mitteilt.

Künstlerisch therapeutische Notwendigkeit

In der anthroposophischen Therapie nimmt künstlerisches Schaffen einen großen Stellenwert ein. Hier wird mit reinen Elementen, mit Tönen und Formen, mit Farben und Kontrasten gestaltet. Dies spiegelt quasi das Wesen des Lebens, welches auch im Wechsel stehend sich vollzieht. In der Musik steht alles in Polatität, hohe und tiefe Töne, harmonisch und disharmonisch, moll und dur. All dies kann gegenläufig aber auch in sich harmonisch in einer innewohnenden Ruhe stehen. Auch der Rhythmus der Musik wirkt, er stellt ja eine nach außen tragende tiefe innere Bewegung dar. Durch diese Bewegungen, durch dieses Spüren der Gegensätze kann der Mensch unterstützt werden, eine Beziehung zu den in sich vorhandenen Polaritäten zu finden, kann helfen ein differenzierteres Bewusstsein zu erlangen. Demnach ist heilende Arbeit ein Bemühen innere und äußere Integration zu gewährleisten.